Projektübersicht

Immer, wenn es Sommer wird in Kiefersfelden, schlüpfen bis zu 100 Männer, Frauen und Kinder - Wochenende für Wochenende in die historischen Kostüme, um im ältesten Volkstheater Deutschlands dramatische Theaterstücke zum Besten zu geben. Die historische Drehkulissenbühne ist in dieser Form einzigartig und die letzte Ihrer Art. Ein enormer Kostenfaktor hierbei liegt in der Renovierung der bis zu 50 Kilogramm schweren Leinenvorhänge.

Kategorie: Kultur
Stichworte: Kiefersfelden, Helfen, Bayern, Spenden, Theater
Finanzierungs­zeitraum: 30.05.2018 20:00 Uhr
Realisierungs­zeitraum: April - Juli

Worum geht es in diesem Projekt?

Wer einmal hinter die Kulissen des Ritterspiel-Theaters geschaut hat, also „backstage“ war, der wird fasziniert feststellen, wie gut das Alte heute noch funktioniert. Während vorne auf der Bühne gekämpft, intrigiert oder gefeiert wird, wird im Hintergrund schon der nächste Szenenwechsel vorbereitet. Wobei sich die alte Technik als ein organisatorisches Meisterwerk entpuppt: Mit einfachen Griffen werden die 3,50 Meter hohen und eineinhalb Meter breiten Drehkulissenpaare mit unterschiedlichen, zur entsprechenden Szene passenden Motiven behängt. Faustdicke, hölzerne Umlenkrollen, Winden und rund 300 Meter Seile sorgen dafür, dass die bis zu sieben Meter breiten, unter der Decke hängenden Vorhänge auf- und zugezogen werden können. Die bis zu 50 Kilogramm schweren Leinenvorhänge sind nicht einfach zu renovieren und müssen deshalb zuweilen erneuert werden. Ein besonders hoher Kostenfaktor, nicht nur wegen des Materialbedarfs, sondern weil dahinter jede Menge künstlerischer Arbeit steckt. Ohne diese Vorhänge, die den Zuschauer auch thematisch einstimmen und ihn dann im Programm weiterführen, sind die Ritterspiele in ihrer bisherigen traditionellen Form nicht denkbar.

Was sind die Ziele und wer die Zielgruppe?

Dass die Ritterspiele Kiefersfelden Jahr für Jahr, ausdrucksstark nicht nur in der Sprache, sondern auch im kräftig-bunten Bühnenbild, die Zuschauer auf eine Zeitreise schicken können, ist vor allem einem Mann zu verdanken: dem aus dem Zillertal stammenden Holzknecht und Köhler Josef Schmalz. Er hat vor 200 Jahren die meisten Stücke geschrieben, die heute aufgeführt werden. Und weil sie neben Räuber-und Ritterthemen aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert auch Züge aus Klassikern von Shakespeare und Schiller in sich tragen, hat man dem so kreativ wirkenden gebürtigen Tiroler auch den „Bauern-Shakespeare“ von Kiefersfelden genannt. Denn mit seinen Stücken hat sich Schmalz, der nur 52 Jahre alt wurde, selbst zu einer Art „Klassiker“ geschrieben. Am Ende geht es meist um Gut und Böse. Die Guten kommen zuweilen direkt in den Himmel, die Bösen fahren langsam, es soll ja wehtun, zur Hölle. Das alles wird spektakulär inszeniert auf der europaweit einzigen, noch intakten barocken Dreh-Klapp-Kulissenbühne, wo in Sekundenschnelle der festliche Speisesaal zum feuchten Kerker, der tiefe Wald zur tristen Wüstenlandschaft oder eben zum Höllenschlund für die Bösen wird. Dies alles zu erhalten und nachhaltig fortzuführen für eine interessierte Theatergemeinde ist das Ziel der Kieferer Theatermacher.

Warum sollte man dieses Projekt unterstützen?

Immer, wenn es Sommer wird in Kiefersfelden, schlüpfen bis zu 100 Männer, Frauen und Kinder - Wochenende für Wochenende in die historischen Kostüme von Heiligen und Bösewichten, von treuen Ehefrauen und kämpfenden Rittern, von üblen Schurken und schutzsuchenden Kindern. Die „Kieferer Ritterspiele“, eine in dieser Form einmalige Mischung aus Romantik, Moritat und Märchen, locken jedes Jahr tausende Besucher aus Deutschland und Österreich in den Grenzort am Kaisergebirge, darunter auch viel Prominenz aus Politik, Kultur und Sport. Begonnen hat alles im Jahr 1618, als sich Kiefersfeldener Bürger und hinzugezogene Tiroler Eisenarbeiter des damals gegründeten Hammerwerkes zusammentaten und auf dem Balkon eines Bauerhofes Heiligenlegenden und historische Schauspiele aufführten. Vor einem begeisterten Publikum, dem der Hang unterhalb der damaligen Pfarrkirche als Logenplatz diente. Dass die „Kieferer Ritterspiele“ bis heute weiterlebt und sich werteerhaltend zu einer in Europa einzigartigen Theaterform entwickelt hat, ist vor allem dem uneigennützigen Engagement einer engagierten Dorfbevölkerung zu verdanken und ist uns sehr wichtig, diese Tradition zu erhalten.

Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?

Die alte Theaterbühne, in der man die Vergangenheit beinahe mit Händen greifen kann, zwingt die Verantwortlichen also auch dazu, die Tradition nachhaltig zu pflegen. Und so muss heuer eben einer dieser gewaltigen Vorhänge, deren Ausdruckskraft allein schon ausreicht, um die Zuschauer in die Zeit von vor 300 Jahren mitzunehmen, erneuert werden. Eine aus der Theatertradition gewachsene Aufgabe, die Geld kostet, will man eine 400jährige Kulturgeschichte in einem kleinen Ort an der bayerisch -tirolerischen Grenze am Leben erhalten. Denn selbst unter Berücksichtigung vieler Eigenleistungen, die bei allen Theater-Investitionen in Kiefersfelden zum Tragen kommen, wird sich der Betrag auf 3.500 bis 4.000 Euro belaufen.

Wer steht hinter dem Projekt?

„Theatergesellschaft Kiefersfelden e.V.“
www.ritterschauspiele-Kiefersfelden.de
Förderverein der Ritterschauspiele